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Stephan Waldscheidt: Ein Interview




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Ein Interview vom Februar 2011

»Der Reiz beim Schreiben liegt für mich darin, etwas zu schaffen, was es so noch nie gab.«

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Ein Interview mit dem Webportal Hobbymap.de

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Sie sind leidenschaftlicher Schriftsteller. Wie kam es dazu, gab es da einen bestimmten Schlüsselmoment oder wie hat sich das ergeben?

Angefangen hat es, wie wohl bei den meisten, mit Lesen, exzessivem Vergraben in Comics, Romanheftchen, Büchern. Ich las schon lange bevor ich zur Schule kam. An eine Zeit ohne Lesen kann ich mich nicht erinnern.
Einen Schlüsselmoment, der mich zum Schreiben gebracht hat, gab es keinen. Vermutlich brauchte mein Hirn einfach ein Ventil, um die ganzen Geschichten, die es aufgenommen hatte – und natürlich auch das Leben ringsum –, zu verarbeiten.
An meine erste Schreibmaschine erinnere ich mich noch. Eine voll mechanische, die ich einem Bekannten meiner Mutter mit meinem Taschengeld abkaufte. Sie kostete 2 Mark, Anfang der 1980er.

Was macht für Sie den besonderen Reiz und die Faszination am schreiben aus?

Der Reiz liegt für mich darin, etwas zu schaffen, was es so noch nie gab. Der Reiz liegt darin, Ereignisse und Charaktere im Kopf herumzuschieben, sie kennenzulernen, sie lebendig zu machen. Ich plotte sehr gerne, mir macht es Spaß, an einem Roman herumzuwerkeln und ihn mit jedem Eingriff ein bisschen besser zu machen. Der Reiz liegt darin, sich mit Dingen zu befassen, die einen interessieren, zu recherchieren und dabei Neues zu lernen und das Gelernte dann aus verschiedenen Gesichtspunkten darzustellen, eben den Sichtweisen der Charaktere.
Und das eigene Buch in der Hand zu halten oder es im Buchladen liegen zu sehen, ist ein herrliches Gefühl.

Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Schriftsteller aus?

Ein guter Schriftsteller sollte mich fesseln, mit seiner Geschichte, seiner Phantasie, seiner Klugheit und mit seiner Sprache. Er sollte mich emotional berühren und mich als ein anderer Mensch aus dem Buch entlassen.

Wie entstehen Ihre Werke eigentlich und wie viel Arbeit steckt dahinter?

Der Prozess hat sich im Lauf der Zeit verändert und wird das wohl auch weiterhin tun. Meine Romane plane ich zunehmend detaillierter. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass ein schlecht geplanter Roman anschließend weit mehr Überarbeitungen notwendig macht. Die Planung bleibt aber immer offen. Denn bei der Reise, die das Schreiben für mich ist, entdecke ich auch immer wieder Neues, was den Roman besser, kraftvoller, lebendiger macht. Für einen Roman sammle ich vorher Ideen, erst unspezifisch und meist für mehrere Romane. Wenn sich dann herauskristallisiert, welcher Roman als nächstes geschrieben wird (hoffentlich von einem Verlagsvertrag angeregt), sammle ich konzentrierter, lerne meine Charaktere kennen, recherchiere das Nötigste und baue den Plot. Fürs Schreiben brauche ich vielleicht ein halbes Jahr. Dann noch ein halbes Jahr für die ersten Überarbeitungen. Und dann, wenn ich mit einem Verlag zusammenarbeite, dauert es nochmals vielleicht ein halbes Jahr, wo weitere Überarbeitungen folgen. Aber diese Zeiträume schwanken stark, allein schon wegen des Umfangs.

Haben Sie abschließend noch Tipps und Hinweise für all diejenigen die gerade die Welt des Schreibens für sich entdecken? Wie und wo sollte man da den richtigen Einstieg suchen?

Zunächst sollte man sich klar werden, was man mit dem Schreiben erreichen will. Denn es gibt eben mehrere 'Welten des Schreibens'. Will ich gar nicht gelesen werden, sondern mir mit dem Schreiben nur etwas von der Seele schaffen? Will ich nur Texte für mich und mein näheres Umfeld schreiben? Will ich veröffentlichen? In einem großen Verlag? Will ich ein Schriftsteller werden, der von seiner Arbeit leben kann? Will ich Bestseller-Autor werden? Welche Form liegt mir, welche will ich schreiben: Gedichte, Kurzgeschichten, Ratgeber, Sachbücher, Romane? Will ich Kunst machen oder unterhalten?

Von den Antworten auf diese Fragen hängt dann alles weitere ab. Wer Geld mit dem Schreiben verdienen will, muss beinahe zwingend Romane, Ratgeber, Sachbücher schreiben. Und eine Menge Glück haben. Ich empfehle, sich mit dem Handwerk des Schreibens auseinanderzusetzen und entsprechende Bücher zu lesen oder Seminare zu besuchen. Das Internet bietet eine Flut von Informationsmöglichkeiten. Überhaupt sollte man viel und am besten vieles durcheinander lesen. Man sollte sich für Menschen interessieren und für Geschichten und bereit sein, das eigene Ego der Geschichte unterzuordnen. Man sollte bereit sein, zu lernen und Kritik anzunehmen.
Wer wirklich gut werden will, muss immer weiter lernen, immer weiter an seinen Texten feilen, sich selbst besser kennenlernen, offen bleiben. Und auch mal Risiken eingehen und bereit sein, Niederlagen einzustecken. Absagen und Kritiken gehören zum Alltag.
Wer Erfolg haben möchte, muss bereit sein, hart und viel zu arbeiten. Disziplin ist fast unerlässlich, ebenso die Fähigkeit, sich immer wieder selbst zu motivieren.

Vor allem natürlich sollte man schreiben, sich Raum und Zeit schaffen im Tagesablauf. Eine Viertelstunde jeden Tag ist schon mal ein guter Anfang. Vom Genre her sollte man nicht gleich mit einem zwölfbändigen Fantasy-Zyklus loslegen, sondern lieber das eigene Schreiben erst einmal an kürzeren Texten erproben. Anfangs sind auch Schreibgruppen empfehlenswert – aber dort sollte es tatsächlich überwiegend ums Schreiben und Kritisieren gehen. Die Gruppendynamik kann schnell zerstörerisch wirken. Hilfreich ist es, wenn man einen Mentor findet, jemanden, der einem anfangs in die richtige Richtung schubst, einem ehrlich und kompetent die Meinung zu den Texten sagt.
Und man sollte, ganz einfach, gerne schreiben. Denn der Erfolg und das wunderbare Gefühl, einen schönen Satz, eine schöne Geschichte geschrieben zu haben, wird über weite Strecken der einzige Ansporn bleiben. Das klingt hoffentlich nicht zu düster. Aber wer wirklich schreiben will, wird sich sowieso nicht aufhalten lassen. Und das ist gut so.

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(c) Stephan Waldscheidt 1997-2011

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