stephan waldscheidt, schriftsteller

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Zehn Gründe, eine Schriftstellerin zu heiraten
Honeyball Lektors literarische Lektionen (Auszug)




Bücher

Zehn Gründe

Auszug



Sehr geehrter Herr Doktor Honeyball,

Ihr letzter Beitrag Zehn Gründe, keinen Schriftsteller zu heiraten, hat mich erschüttert. Vor allem aber die dafür verantwortliche Dame, meine inzwischen Dann-doch-nichtVerlobte. Sie dachte wohl, ich erkenne sie nicht. Ha! Nachdem wir Schriftsteller unser Fett wegbekommen haben, wäre es doch nur fair, wenn Sie zehn Gründe aufführten, warum Mann keine Schriftstellerin heiraten sollte.

Wäre ja noch schöner.

Rufus Ratzeburger

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Sehr geehrter Herr Ratzeburger,

vielen Dank, dass Sie selbst einen der Gründe belegen, weswegen eine Frau (oder ein Mann) keinen Schriftsteller heiraten sollte: Schriftsteller sind Egomanen. Ihren Wunsch kann ich verstehen, werde ihm aber nicht nachkommen. Schriftstellerinnen sind verehrungswürdige Geschöpfe – Sie können sich glücklich schätzen, nur von einer Nicht-Schriftstellerin verlassen worden zu sein. Um das auch einem Ignoranten wie Ihnen klar zu machen, hier die zehn wichtigsten Gründe, warum man lieber heute als morgen eine (gute) Schriftstellerin heiraten sollte.

1. Zunächst einmal: Schriftstellerinnen lieben Bücher. Kaum etwas ist für das Gelingen einer Ehe entscheidender als ein gemeinsamer Fetisch. Falls Sie Bücher noch nicht lieben, wird Ihnen Ihre Schriftsteller-Gattin Bücher nahe bringen, ob Sie wollen oder nicht (notfalls auch mit Gewalt, d. h. mit Elke Heidenreich).

2. Schriftstellerinnen sind gute Zuhörer. Immer auf der Suche nach dem Keim einer neuen Geschichte, hören Sie sich bereitwillig selbst den größten Bockmist an. Es könnte ja noch interessant werden. Insofern ist eine Schriftstellerin die ideale Partnerin für einen Viel- und Dummschwätzer. Nicht unterschätzen sollte man das Redetalent der Schriftstellerin. Über die eigene Schreiberei befragt, unterhält sie selbst den stillsten Mann stunden-, tage- oder ein Leben lang.

3. Eine Schriftstellerin interessiert sich für mehr als nur die typischen Frauenthemen Klamotten, Körperpflege, Kinderkriegen. Ihre Interessen sind zwar häufig etwas abseitiger Natur, dafür umso unterhaltsamer (Wie hieß die dritte Kammerzofe von links auf dem verschollenen Vermeer-Gemälde? Woran erkennt ein Lepidopterist den Unterschied zwischen einem Erebia medusa und einem Lasiommata megera? Wie stark ist eine Leiche in einem Kühlhaus nach vier Tagen verwest?).

4. Wenngleich das für viele Männer ein Grund ist, eine Schriftstellerin nicht zu heiraten: Gute Schriftstellerinnen sind intelligente Menschen. Hat Mann erst einmal diesen empfindlichen Schlag gegen sein Ego verdaut, wird er bald die Vorzüge einer intelligenten Frau entdecken: Hilfe bei der Steuererklärung, Abwimmeln der Schwiegermutter, Geld ranschaffen bei Wer wird Millionär, um nur die wichtigsten zu nennen.

5. Eine ausgeprägte Phantasie, wie sie jeder guten Schriftstellerin zu eigen ist, hat beim Sex noch nie geschadet (außer bei Traugott Küpper aus 39175 Gübs, der durch die ausufernde Phantasie seiner Frau eines unrühmlichen, peinlichen, grotesken doch immerhin höchst außergewöhnlichen Todes sterben musste bzw. durfte). Da Schriftstellerinnen häufig extrem kurzsichtige Brillenträgerinnen sind, brauchen sich selbst weniger attraktive Männer ihres Aussehens in den intimsten (d. h. brillefreien) Momenten nicht zu schämen.



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- Weitere Gründe finden Sie im Buch Zehn Gründe keinen Schriftsteller zu heiraten.

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(c) Stephan Waldscheidt 1997-2010
(c) Foto: Quinn Dombrowski, creativecommons.org

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